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Wie ich mit dem Thema LEIDEN umgehe

Diesen Blogpost widme ich allen Menschen, die zur Zeit in irgendeiner Form Leid erfahren.
Ich richte mein Wort vor allem an Menschen, die sich in einer anspruchsvollen und anstrengenden Lebensphase befinden und nicht wissen, wie es weiter gehen soll. Menschen, die sich fragen „Warum ich?“. Menschen, die an irgendeiner Stelle in ihrem Leben noch am kämpfen sind; aber auch an alle, die bereits resignieren und keinen Sinn mehr sehen. Alle, die vom Kämpfen, vom Stark-sein-wollen und vom Sich-oder-anderen-etwas-beweisen-wollen, erschöpft sind und (bald) nicht mehr können. Alle, die sich wünschen, dass das Kämpfen einfach endlich aufhört.
 
Es gibt 3 Gründe für das Leiden: Schmerz, Wandel und die allumfassende Abhängigkeit von Bedingungen.        Dalai Lama
 

 

Leid hat sehr viele Facetten und eine grosse Bandbreite! Es kann von leise schleichend und zu Beginn noch unerkannt in unser Leben treten und im Laufe der Zeit anschwellen und immer mehr Raum einnehmen, bis hin zu sich mit einem lauten (Schicksals-)Schlag und mit voller Wucht innerhalb einer Sekunde in unser Leben rammen.
Leid kann nicht nur leise oder laut, schleichend oder plötzlich sein, es kann sich auch auf verschiedenen Ebenen bemerkbar machen. Erfahren wir Leid z.B. durch Unfälle, Gewalt oder Krankheiten zeigt es sich uns zuerst vor allem auf der körperlichen Ebene. Werden wir mit Verlust, verlassen-werden, nicht in Erfüllung gegangenen Erwartungen, Machtmissbrauch, langanhaltendem Stress & Druck konfrontiert, fühlen wir den Schmerz zuerst meist auf der psychischen Ebene, bevor er später auch auf den Körper übergreifen kann.
 
Wie auch immer Leid sich zeigt, laut oder leise, schleichend oder ganz plötzlich. Leid ist nicht willkommen. Leid wird abgelehnt. Mit Leid möchte niemand etwas zu tun haben. Leid möchte man schnellstens wieder los werden. Leid passt nicht in das Schema eines glücklichen und erfolgreichen Lebens. Leid betrachten wir als unseren Feind.
Frage: „Ist das wirklich wahr? - ist Leid wirklich unser Feind?
 
 
Suche im Leid das Glück        F. M. Dostojewskij

 

 
Hast du auch schon mal den Gedanken zu denken gewagt, dass Leid uns helfen könnte und uns die Augen öffnet für die Wahrheit?
 
Ich weiss, Leid kann durchaus sehr unangenehm, unbequem und schmerzvoll sein. Ich selbst habe schon viele leidvolle und schmerzerfüllte Erfahrungen gemacht. Es kam auch schon soweit, dass mein eigenes Überleben an einem ganz dünnen Faden hing.
Ich möchte mit meinen Worten niemanden beleidigen oder behaupten, dass dein Leid nur halb so schlimm sei. Auf keinen Fall!
Ticken wir Menschen nicht oft so, dass wir überhaupt erst dann bereit sind, unsere Lebensthemen anzugehen oder uns selbst Fragen zu stellen, wenn der Schmerz und das Leid genug unbequem, ja sogar unerträglich geworden ist? Fragen wie:
„Was mach ich hier eigentlich ganz genau und aus welchem Grund?“
„Warum möchte ich gegen aussen den Schein bewahren, obwohl es Innen schon lange nicht mehr stimmig ist?“
„Warum schwimme ich mit dem Strom mit, obwohl ich mich dabei nicht glücklich fühle und weiss, dass dies nur tote Fische tun?“
„Steh ich wahrhaftig zu mir, meinen Gefühlen und Bedürfnissen und lebe danach?“
„Möchte ich all das, von dem ich denke, dass es mein Lebensinhalt ist, wirklich noch genau so haben oder wäre es an der Zeit auszumisten?“
… etc.
Schauen wir bei uns selbst nicht erst dann gründlich und wahrhaftig hin, welcher „Dreck" sich da jahrelang unter unserem eigenen Teppich angesammelt hat, wenn wir keine andere Wahl mehr haben?
Also ich funktionierte jahrelang genau so! Erst wenn es lange genug so richtig weh tat und ich in meiner persönlichen Skala des Leids ganz unten angekommen bin, öffnete ich mich für einen anderen Blickwinkel, suchte ich nach Antworten, begann ich meine festgefahrenen Meinungen und hinderlichen Überzeugungen zu hinterfragen und holte mir neue Impulse aus Büchern, Seminaren oder bei Naturheilpraktikern. Mit der Zeit ging es immer schneller, bis ich den Schalter umlegen konnte und mich entschied, richtig hinzuschauen, Konkretes zu verändern oder loszulassen. Die Phase des Leidens wird mit jedem mal kürzer. 
 
Nur durch Leiden und Gram erlernen wir jene Weisheit, die man nicht aus Büchern kennt.      
     Aus Japan

 

Sei dir bewusst: Leid macht es uns überhaupt erst möglich, dass wir spüren, dass etwas nicht (mehr) stimmt! Wie sonst würden wir spüren, dass etwas nicht mehr passt oder in Ordnung ist?
Mit meiner jahrelangen Erfahrung "als Leidende" kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass meine leidvollsten Lebensphasen, diejenigen waren, die das grösste Lernpotenzial für mich bereithielten und oftmals auch grosses Glück hervorbrachten, als dann der Groschen fiel und ich wieder um eine Erkenntnis reicher war.
Phasen, in denen ich gezwungen wurde, Schmerz zu fühlen, hinzuschauen und begonnen habe, mich zuerst mal selbst richtig zu spüren! Rückblickend kann ich bestätigen, dass mich meine schmerzlichen Phasen geschliffen und poliert haben.
Ich habe viel über mich selbst in Erfahrung gebracht und erst durch das Fühlen von Schmerz & Leid kamen Verhaltensweisen und Denkmuster (Überzeugungen) ans Licht, die ich zu Beginn nur schwer wahrhaben wollte, geschweige denn akzeptieren konnte.
Viel mehr betrachtete ich mich anfänglich durch meine Leidensprozesse als Pechvogel und als Opfer. Jemand, die wohl nie in Frieden mit sich selbst und glücklich sein wird. Immer kommt da was, was mir weitere Stolpersteine auf den Lebensweg knallt.
Ich dachte, ich hätte in diesem Leben den Zonk gezogen. Resignation und Frustration waren viele Jahre meine Begleiter. Dementsprechend hielt sich auch meine Lebensfreude in Grenzen und ich war immer bereit für den nächsten Fall. (Dieser Modus ist übrigens auch bekannt als „Säbelzahntiger-Modus“. Immer bereit zu kämpfen und sich zu verteidigen. Das ist seeehr anstrengend und geht an die Substanz!)
 

 

EINE LEBENSVERÄNDERNDE ERKENNTNIS
Meine grosse Wende zu persönlichem Wachstum und Befreiung von vielen hemmenden und blockierenden Überzeugungen kam für mich mit der Ausbildung zum Lebenscoach. Ich hatte eine Erkenntnis nach der anderen, Knöpfe und Verstrickungen lösten sich und ich erlebte soo viele Aha-Erlebnisse.
Während den fast 3 Jahren Ausbildung veränderte ich mich zu einem ganz neuen Menschen; ich erlebte sozusagen ein komplettes Softwareupdate.
Kennst du die Überzeugung auch, dass man es im Leben erst dann „geschafft“ hat, wenn es einem gelingt, konstant und dauerhaft glücklich zu sein = alles Unerwünschte wie z.B. Mangel, Krankheit, Sorgen und Probleme aus dem Leben zu verbannen und dafür zu sorgen, dass ich konstantes Glück empfand? Damals unterlag ich dieser Überzeugung und ich hatte diesen Anspruch an mich selbst; und es war immens anstrengend!
 
Eines meiner ersten learnings in der Ausbildung war, dass wir hier auf der Erde dem Gesetz der Polarität/Dualität (Yin & Yang) unterliegen. Das Gesetz besagt, dass alles auf diesem Planeten zwei Pole hat und braucht. Ohne die Nacht, wäre der Tag nicht erfahrbar. Weiblich ist ohne Männlich nicht erfahrbar, Schönheit nicht ohne Hässlichkeit, kein Schatten ohne Licht. Verstärkt oder betont man eine Seite, stärkt dies automatisch auch den Gegenpol, da alles im Leben IMMER nach Ausgleich strebt. Man kann also nicht das Eine ohne das Andere haben.
Dies bedeutet in unserem Beispiel auch, dass 
KONSTANTES GLÜCK IN DER DUALITÄT GAR NICHT MÖGLICH IST !
Es ist immer auch ein Teil Leid vorhanden. Und möchte man nur das Glück in sein eigenes Leben einladen und das Leid weghaben, ja dann sorgt das globale Gesetz der Polarität für den Ausgleich und sorgt für mehr Leid! Als mir dies bewusst wurde, fiel es mir wie Schuppen von den Augen… was für einem Irrtum, was für ein sinnloser Kampf, welch grosser Illusion war ich da jahrzehntelang unterlegen !!! … Mensch, was musste ich über mich selbst lachen, als ich dies erkannt habe!
Und gleichzeitig diese Leichtigkeit zu spüren, nicht mehr den Anspruch an mich selbst zu haben, immer nur glücklich und gut gelaunt sein zu müssen und mit allen Mitteln versuchen die Schattenseiten verhindern zu wollen. Sondern, dass die Schattenseiten einfach ganz natürlich auch dazu gehören dürfen.
Vielmehr kommt es jedoch darauf an,
wie ich einen guten Umgang mit diesen Schattenseiten kultivieren kann.
Von diesem Zeitpunkt an, sah ich das mit den Sorgen und dem Leid und den Krankheiten ganz anders; nämlich so, dass diese mir IMMER etwas über MICH zeigen wollen, mich auf etwas aufmerksam machen möchten, was nicht mehr stimmig ist und dass sie so lange in meinem Leben bleiben oder diese Themen immer wieder in mein Leben kommen, bis ich die Lektion gelernt habe!
 
 

 

Ein jedes Leid hat seinen Sinn, den man jedoch erst erfährt, wenn man sich seiner nicht mehr erwehrt, sondern es akzeptiert.                                   Dr. Peter Zürn
Wir sind nicht Opfer, sondern Lernende.
Wir sind nicht machtlos, wir fühlen uns nur so.
Wir haben immer eine Wahl; mindestens diejenige, zu entscheiden, wie wir mit einer schwierigen Situation umgehen:
  • Entscheide ich mich für Widerstand und Ablehnung, dann wird es ein endloser Kampf.
  • Entscheide ich mich für Annahme/Akzeptanz, dann entsteht Frieden in uns. Es entsteht Raum, zu erkennen, was die Situation uns aufzeigen möchte, was wir daraus lernen können.
Denn was ja schon da ist, was bereits geschehen oder eingetroffen ist, IST DA und kann auch mit unserem Widerstand und Kampf NICHT rückgängig gemacht werden. Das wäre, wie wenn wir abends verhindern möchten, dass es Nacht wird… 
 
Zwischenzeitlich sehe ich das so, dass jedes Leiden ein Schrei der Seele ist und uns dazu auffordert, eine Kurskorrektur im Leben zu machen, wieder auf die innere Führung, das Herz zu hören und über den Sinn des eigenen Daseins, der eigenen Lebensaufgabe nachzudenken, bis wir schlussendlich wieder auf den richtigen Weg finden, für den wir uns als Seele vor der Inkarnation entschieden haben.
Ich glaube daran, dass es eine höhere Ordnung gibt, die mein seelisches Potenzial entwickeln möchte und die Gefühle sind das Navigationssystem durch das Leben.
 
 
Ein wissender Mensch kann nicht glauben, dass Glück und Leid ohne Ursachen entstehen können.        
    Buddha

 

 

Zum Abschluss möchte ich dir gerne 3 Werkzeuge mit auf den Weg geben.

WERKZEUG 1 - Wende NIPSILD an
NIPSILD = Nicht iProblemen sondern iLösungen denken
Das will heissen, nicht in eine "LeidensStarre" zu verfallen, sondern in Bewegung zu kommen; dich mit deinem Leiden auseinanderzusetzen, dich auf alle Seiten zu öffnen und zu schauen, welches die Lösungen für deine Sorge, deine Schmerzen sein könnten, um anschliessend ins Handeln zu kommen.
 
WERKZEUG 2 - KLEINE ÜBUNG
Was sehr hilft, um die eigene innere Stimme wieder zu hören und in Kontakt mit sich selbst zu kommen ist: Ablenkungen für einen Moment bewusst abzustellen, innezuhalten, tiefe Bauchatmung zuzulassen, still zu werden, aufkommende Langeweile und Unruhe einfach zur Kenntnis nehmen, Gedanken auf eine hübsche Wolke setzen und ziehen zu lassen, sich innerlich selbst ein Lächeln zu schenken und einfach nach Innen zu lauschen, wahrzunehmen, was jetzt grad in uns zu spüren ist.
 
Dies kann anfänglich eine  „strenge Übung“ sein, vor allem, weil wir uns nicht gewohnt sind „untätig“ ohne Ablenkung hinzusetzen und weil unser „busy monkey mind“ rebelliert und dies ziemlich uncool findet.
--> 5 - 10 Min üben genügen am Anfang und kann später beliebig ausgedehnt werden! Selbstverständlich kannst du auch geführte Meditationen/Seelenreisen machen.
Anmerkung: Wer mich noch von ganz früher kennt weiss, dass "stillsitzen" nun wirklich nicht meine Stärke war! Als Kind war ich ein Energiebündel und für jeden Unfug zu haben, laut Aussage meiner Mutter bescherte ich ihr "Arbeit wie 3 Jungs", die Ärzte von heute hätten mir damals wohl Ritalin geben wollen und auch als junge Erwachsene war ich sehr gut darin, mich ständig beschäftigt zu halten, von einer Aufgabe zur anderen zu eilen, dafür zu sorgen, dass ich oft am Anschlag war und mich am liebsten um die Bedürfnisse meines Umfelds kümmerte. Nicht unbedingt die besten Voraussetzungen, um einen Vipassana- oder Zen-Meditations-Meisterpokal zu gewinnen! ;)  Der Einstieg war harzig, da ich bei meinen ersten paar Meditationen an meinem lärmigen Affen-Kopfkino fast verzweifelt bin; immer juckte es an meinem Körper irgendwo, es waren nicht genug Wolken für all meine Gedanken da und ich hatte ständig Erwartungen an mich selbst, unbedingt etwas Grandioses spüren oder in meinem geistigen Auge sehen zu müssen..... aber ich habe es geschafft und es kommt noch besser: Heute BRAUCHE ich regelmässig stille Momente. Momente des allein sein mit mir selber (früher wurde ich sehr unruhig, wenn ich z.B. abends oder über Nacht alleine war). Also lege ich dir ans Herz: sei es am Anfang noch so herausfordernd für dich, regelmässig in die Stille zu gehen, dich hinzusetzen und spüren, was in dir gerade präsent ist und welche Gefühle hoch kommen möchten. Es lohnt sich!!
Schon so manche Einsicht, Erkenntnis und Lösung habe ich im stillen Sitzen erfahren. Es lädt mir meine Batterien wieder auf, stellt mein Kopfkino aus, breitet in mir Frieden und Klarheit aus und ich fühle mich anschliessend wie frisch geboren.
 
 

WERKZEUG 3 - bei körperlichen Symptomen

Ich kann dir folgendes Nachschlagewerk wärmstens empfehlen!!

 

Christiane Beerlandt - Der Schlüssel zur Selbstbefreiung

Die beste Enzyklopädie für Psychosomatik --> Gehört in jeden Haushalt ! Darin findest du in über 1640 Seiten so gut wie alle körperlichen Symptome/Krankheiten und ihren psychosomatischen Ursprung.

mein Schlusswort

Mir ist bewusst, dass jeder Mensch seine Erfahrungen machen muss und seine persönlichen Ansichten und Meinungen hat. Jeder einzelne Lebensweg ist so einmalig, wie es jeder einzelne Mensch ist. Ich weiss, dass ich immer nur aus meiner persönlichen Sicht und von meinen persönlichen Erfahrungen erzählen kann. Ich kann nie 1:1 spüren und erfahren, wie sich mein Gegenüber wirklich in seinen Schuhen fühlt. Ich kann bestenfalls Impulse vermitteln, darf jedoch jedem Menschen überlassen, was er/sie damit macht. Dies respektiere ich. Alles hat seine Zeit. Alles hat seinen Grund. Alles...
 

Was Sind deine Erfahrungen im Umgang mit Leid/leiden? Hast du noch Fragen?

Ich freue mich auf deinen Kommentar oder deine private Nachricht!

 

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