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Umgang mit Menschen die ständig jammern

Ist dir auch schon aufgefallen, dass sich viele Menschen immer wieder über die gleichen Dinge beklagen und oftmals nicht bereit sind, etwas dafür zu tun, um an der Situation etwas zu ändern? Hast du zufällig auch schon versucht, mit Tipps und Lösungsvorschlägen zu helfen und bist auf Granit gestossen, weil es für jeden Ansatz eine Ausrede gibt? Hast du auch keinen Bock mehr, dir diese sinnlosen, energieraubenden und nervtötenden Gespräche anzuhören? Sehr schön, ich nämlich auch nicht.

 
Ich steh dazu: Es gab durchaus Zeiten, in denen ich das Jammern auch praktizierte und gedacht habe, dass dies nun mal so ist im Leben, dass überall gejammert wird. Ich dachte:“Geteiltes Leid ist halbes Leid.“ --> Dabei ist es doppeltes Leid! So traf ich mich mit Freunden und war oftmals stundenlang mit Gesprächen beschäftigt, in welchen der Reihe nach alte ungelöste Probleme und Situationen wiedergekäut wurden. Neue belastende Ereignisse wurden bis ins kleinste Detail geschildert. Ärger, Kummer und Wut wurden wieder und wieder heraufbeschworen und belebt. Schuldige wurden gesucht und auch gefunden, um diese dann mit Worten zu zerreissen und schlecht zu machen. Ich habe zugehört, ich habe mitgemacht und gegenseitig hat man sich als Opfer bestätigt. Aber es hat mir nie wirklich weiter geholfen. Wir haben uns eher geschadet und wir haben lediglich unsere wertvolle Lebenszeit verschwendet. Heute weiss ich: All dies geschah, weil wir uns dessen nicht bewusst waren. Ich habe dieses Spiel lange Zeit schlicht und einfach nicht bemerkt.
Nach solchen Treffen kehrte ich stets ausgelaugt und deprimiert nach Hause zurück. Keine Spur von „so schön, jetzt bin ich einen Schritt weiter gekommen“ oder „aaahh, jetzt fühl ich mich aber besser“.
So wie das Jammern mir nicht weiter geholfen hat, wird es auch dich nicht weiterbringen. Weil Jammern alleine zu keiner Änderung, zu keiner eigentlichen Lösung führt. Es dreht sich immer nur um sich selbst. Im Gegenteil es führt dich und auch dein Gegenüber lediglich in eine Abwärtsspirale und raubt die Energie und die Freude von beiden.
Vielleicht kommt dir diese Situation bekannt vor? Vielleicht hast du dich gerade wieder erkannt oder dir ist das Jammer-Verhalten in deinem Umfeld auch schon aufgefallen?
 
Versteh mich nicht falsch. Dass Menschen über ihren Kummer, ihre Sorgen und Schmerzen sprechen, das empfinde ich NICHT das eigentliche Problem. Es ist normal, dass man mit seinen Freunden/seiner Familie über alles spricht, was im Moment grad aktuell ist und einem bewegt. 
 
Was ich jedoch für mich als sehr destruktiv erkannt habe und was für mich Jammern ist, ist
  • wenn jemand sich ständig beklagt und in Wirklichkeit gar nichts ändern möchte
  • wenn nicht wirklich die Absicht besteht, nach Lösungen zu suchen od. Veränderungen anzustreben
  • wenn man sich über Dinge beklagt, die man selbst nicht ändern kann, weil es z.B. die Angelegenheit von einer anderen Person ist oder einer höheren Gewalt unterliegt (z.B. Wetter)
  • wenn einfach gejammert wird, um Mitleid zu erregen
  • wenn man sich nur als Opfer seiner Lebensumstände sieht
  • wenn man sich durch seine Dramen einfach in den Mittelpunkt bringen will
  • wenn man einfach seinen Müll beim Gegenüber abladen will
  • wenn man nicht wirklich offen und bereit ist, sich die Meinung des Gegenüber anzuhören
  • wenn man nicht zu 100% die Verantwortung für sein eigenes Leben übernimmt
  • wenn man einen Schuldigen sucht und diesen allein für das eigene Schlamassel verantwortlich macht
  • wenn man hundert Gründe und tausend Ausreden sucht, etwas nicht zu verändern
Ich teile mit dir meine persönliche Strategie; die Schritte zur Veränderung meines Jammerverhaltens:
 
Schritt 1, 2 & 3 - Beobachten, bewusst werden, verändern
 
Als ich mir des Jammer-Musters bewusst wurde, habe ich begonnen, mich und mein Umfeld zu beobachten. Ich habe mich entschieden, mein Verhalten zu ändern und habe aufgehört, herum zu jammern. Ich sah mich nicht mehr länger als armes Opfer meiner Lebensumstände, sondern fragte mich, was mir eine Situation zeigen möchte und was ich daraus lernen könnte. Ich habe aufgehört nach Schuldigen zu suchen und ich habe die Verantwortung für mein eigenes Leben komplett übernommen.
Zu dieser Zeit verschlang ich Bücher, Beiträge und Videos von Robert Betz. Eine seiner Aussagen hat mich zuerst besonders getriggert und anschliessend um so mehr weitergeholfen: 

Macht dich etwas betroffen, dann betrifft das immer dich selbst! Es ist alleine deine Angelegenheit, was eine Situation in dir auslöst und wie du damit umgehst.

Schritt 4 - eigene Erkenntnisse kommunizieren, dein Gegenüber darauf ansprechen
 
Zu oft ging es mir nach solchen 'Jammer-Treffen' nicht gut und ich habe mich jeweils gefragt:
“Warum bloss tu ich mir das jedesmal an, wenn ich hinterher spüre, dass mir diese Treffen nicht gut tun?“
„Warum höre ich mir jedesmal den gleichen Müll an, anstatt einfach mal STOPP zu sagen?“
Mir zu Liebe habe ich entschieden, dass ich mich gerne mit positiven, offenen, motivierenden und inspirierenden Menschen umgebe. So habe ich in einem weiteren Schritt, der mich auch heute noch etwas Mut und Überwindung kostet, begonnen, mein jammerndes Gegenüber darauf anzusprechen und auf die oben erwähnten Punkte aufmerksam zu machen. Manchmal stelle ich auch Fragen, damit der- oder diejenige zur Eigenreflektion aufgefordert wird. Nicht der einfachste Weg, aber ein ehrlicher. Nicht immer stosse ich damit auf Dankbarkeit und es hat auch schon dazu geführt, dass der Kontakt mit mir nicht weiter interessant war.
Aber das ist mein Weg.
Wie deiner aussieht, ist natürlich dir überlassen.
  • Wirst du einfach weiter machen wie schon immer
  • Wirst du dein Verhalten ändern und schauen, wie deine Freunde darauf reagieren
  • Wirst du deine Freunde bei nächster Gelegenheit darauf ansprechen und ihnen somit eine Gelegenheit zur Veränderung schenken
  • Wirst du dich einfach zurückziehen und dich nicht mehr melden
Wie wirst du dich entscheiden?
Klar ist es manchmal schade, wenn Freundschaften auseinander gehen oder Kontakte abgebrochen werden, nur weil ehrliche Worte ausgesprochen werden. Jedoch eine Freundschaft aufrecht zu erhalten, die einem nicht (mehr) gut tut und sich unecht anfühlt, nur um den anderen nicht damit zu konfrontieren, was in mir vorgeht und ihn/sie so vielleicht vor den Kopf zu stossen? Nein, das ist es mir nicht mehr Wert.
Mir ist es lieber, wenig aber echte Freunde zu haben, als viele Leute zu kennen, die mir nicht gut tun.

 

Es gibt viele Wege zum Glück. Einer davon ist aufhören zu jammern.    
Albert Einstein 

Was Sind deine Erfahrungen im Umgang mit Jammern? Hast du noch Fragen?

Ich freue mich auf deinen Kommentar oder deine private Nachricht!

 

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